Kennt ihr das auch? Eigentlich plant man den Abend ganz entspannt ausklingen zu lassen und ehe man sich versieht, findet man sich sturzbetrunken mit seinen besten Freunden, um 11 Uhr morgens des Folgetags, im Gästezimmer eines Anästhesisten? Nein, natürlich nicht.
Als Fabian, Pascal und ich 2015 eine 1-Wöchige Tour mit einem VW Bulli T3 von Santander aus starteten, hatten wir nur das Ziel, keines zu haben. Guter Dinge wählten wir unseren täglichen Reiseziele anhand valider Gütekriterien, wie z.B. Schnick-Schnack-Schnuck und lustig klingender Ortsnamen aus. Letzteres führte uns zu unserem Etappenziel Sanxenxo.

Kaum als wir ein sicheres Plätzchen für unseren Campervan gefunden hatten, sprachen uns auch schon ein paar Spanier an, ob wir nicht Lust hätten mit auf eine Party zu kommen. So viel Gastfreundschaft konnten wir schlecht ausschlagen und begaben uns kurzerhand in die Obhut feierwütiger Spanier…
Im verschlafenen Hafenörtchen Sanxenxo erwarteten uns Festzelte, mehrere Clubs und Bars, viele nette Bekanntschaften und mehrere Maß Bier in Kombination mit dem einheimischen Cidre aus der Flasche (unbedingt probieren!!!). Völlig unpassend gekleidet in kurzer Hose und T-Shirt (der Rest der einheimischen Bevölkerung trug Hemd und Abendgarderobe), konnte jeder gleich sehen, dass wir Touristen waren und wurden so etwas wie die deutschen Ehrengäste des Oktoberfest Sanxenxo 2015.
Unter anderem lernten wir den Spanier Martin kennen. Kurz vor dem Weg nach Hause lud uns Martin ein, doch in seinem Apartment zu übernachten. Ganz ehrlich? So ein ordentliches Bett klang echt verlockend im betrunkenen Zustand nach mehreren Tagen in einem Bulli T3.
Im Apartment angekommen bekamen Fabian und ich ein Gästezimmer zugewiesen, während Pascal ein Schlafsofa beziehen sollte. In Gedanken noch über diesen grandiosen Abend in Gedanken schwelgend, kam mir wieder in den Sinn, dass Martin erwähnte er sei Narkosearzt (Anästhesist) und dies sei seine Ferienresidenz.
Ich bin kein sonderlich misstrauischer Mensch, trotzdem ging mir irgendwie durch den Kopf, dass dies eine Falle sein könnte. Urplötzlich wandelte sich meine gemütliche Schlafposition in eine durch Adrenalin gesteuerte Kampfbereitschaft, gefolgt von sofortiger Nüchternheit. Just in diesem Moment kam Pascal durch die Tür gestürmt: „Ey Jungs, wir müssen hier raus – was ist, wenn er uns die Organe heute Nacht klauen möchte?“ Das ausgesprochen was inzwischen jeder dachte, mussten wir schnell feststellen, dass die Haustüre nach außen bereits abgeschlossen war. Und nun? Die Polizei rufen konnten wir nicht, keiner von uns Idioten hatte noch genügend Akku auf dem Handy. Wild in Boxershort diskutierend, öffnete Pascal ein Fenster und sprach davon, jetzt alleine springen zu wollen. Mit dem Argument auf unserer Seite, dass er wahrscheinlich nach dem 4 Meter tiefen Sprung nirgends mehr hinrennen wird, einigten wir uns darauf einfach wach zu bleiben. Ja, dass das nicht funktioniert hat, kann sich wahrscheinlich jeder denken.
Am nächsten Morgen fragte Pascal mich, ob er irgendwo Narben habe. Erkennend, dass keiner von uns bleibende Schäden davon tragen würde, wagten wir unsere ersten Schritte ins Wohnzimmer. Hier erwartete uns Martin mit einem typischen spanischen Frühstück, bestehend aus rohem Schinken, Käse, Trauben und Brot.
Bis heute weiß leider keiner von uns dreien, woher unser plötzliches Misstrauen kam, begründet war es letzten Endes nicht.
Solltet ihr selbst einmal Lust auf einen Roadtrip haben, gibt es die Bullis hier ab Santander zu mieten. Das Instagram-Profil von der Firma Surf-Cars findet ihr hier.
Außerdem bedient Ryan-Air den Flughafen Santander. Für drei Personen inklusive Flug kostet eine Woche Bulli-Feeling umgerechnet 295 EUR inkl. Flug pro Person (ohne Sprit).
